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Florian Jenett

Professor für Medieninformatik und Digitale Gestaltung

Prof. Florian Jenett
Vanessa Liebler, Portrait Florian Jenett, 2017

Florian Jenett ist seit 2016 Professor für Medieninformatik und Digitale Gestaltung an der Hochschule Mainz. Parallel dazu leitet er zusammen mit Scott deLahunta die Motion Bank, die seit 2016 an der Hochschule Mainz angesiedelt ist.

Florian Jenett wurde 1975 in Würzburg geboren. Nach seinem Studium der Visuellen Kommunikation an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach eröffnete er ein Atelier in der basis Frankfurt und widmete sich seiner künstlerischen Laufbahn. Parallel dazu arbeitete er frei für verschiedene Auftraggeber*innen und als Lehrender an mehreren Hochschulen. Seit 2010 forscht er für die Motion Bank. Ich treffe ihn in den Räumen der Motion Bank an der Hochschule Mainz zum Interview.

Gestaltung lernt man im Grunde nur über das Machen.

Ihr Fach ist die Medieninformatik. Was genau ist das?

In der Medieninformatik beschäftigen wir uns mit allem, was mit Programmierung und Gestaltung zu tun hat. Der Kern meines Fachs konzentriert sich auf Webtechnologie und Gestaltung. Also rund um die Fragen wie mit Webtechnologie gestaltet werden kann, wie man dafür entwirft und wie man Projekte managed, die sich damit befassen. Seit dem Wintersemester 2020/21 ist dies mit den neu geschaffenen „Interaktiven Grundlagen“ auch fest im Grundstudium des Kommunikationsdesign verankert. Hier führen wir über zwei Semester in die Auseinandersetzung, Gestaltung und Umsetzung von Webprojekten ein. Dies reflektiert unter anderem dass diese Technologie inzwischen alle Bereiche der Gestaltung durchdringt.

Wie kamen Sie dazu sich mit dem Themengebiet der Medieninformatik und Webtechnologien zu beschäftigen?

Ich habe sehr früh angefangen mit Programmierung Gestaltung zu machen, sowohl im Design als auch im künstlerischen Bereich. Im Zuge meines Antritts hier an der Hochschule habe ich mich sehr stark auf Webtechnologie fokussiert, weil ich finde, dass das heutzutage die Technik ist, die man erlernen sollte, wenn man als Gestalter*in mit Programmierung arbeiten will. Dabei sind dann das kreative Arbeiten mit Programmierung und mein fachliches Wissen zusammengefallen. Zudem ergänzt es sich mit der Arbeit meiner Kolleg*innen Holger Reckter, Anna-Lisa Schönecker und Philipp Pape zu einem breiten Spektrum von Datenvisualisierung bis zu interaktiven Installationen, die man bei uns in der Fachrichtung Kommunikationsdesign erlernen kann.

Auf Ihrer Webseite sieht man, dass Sie auch Kunstprojekte gemacht haben. Das kam mir eher vor wie Konzeptkunst?

(lacht) Was ist heute schon keine Konzeptkunst mehr? Die Arbeiten entstammen meiner künstlerischen Laufbahn, die ich nach meinem Studium parallel zu meiner freischaffenden Arbeit entwickelt habe. Sie kommt im Moment leider zu kurz und ich habe gerade schweren Herzens mein Studio in Frankfurt zugunsten meiner Arbeit in Mainz aufgegeben.

Konzept oder Experiment?

Ich würde sagen hier an der Hochschule ist alles sehr stark konzeptionell geprägt, sowohl in der Lehre als auch in der Forschung. Ich bin aber auch ein großer Freund des Experiments. Ich würde beides nicht ausschließen

Was lassen Sie von Ihrer eigenen Arbeit in den Unterricht einfließen?

Ich denke, dass ein konzeptionell-künstlerischer Blick etwas ist, was man als Designer unbedingt entwickeln sollte. Die Dinge anders zu betrachten, sie aus dem Konzeptionellen heraus aufzubauen und zu helfen, dies dann auch sichtbar zu machen. Das versuche ich neben meinem technischen Wissen auch mit in meinen Unterricht einfließen zu lassen.

Die Förderungen, die wir bekommen, sollen langfristig helfen, das Wissen, das Können und die Prozesse im Tanz sichtbar, fassbar und weitergebbar zu machen.

Wie steht es mit Forschung?

Neben der Lehre führe ich die Motion Bank hier an der Hochschule. Motion Bank befasst sich mit der Erfassung, Dokumentation und Vermittlung von Zeitgenössischem Tanz und entwickelt dafür Methodiken sowie digitale Werkzeuge. Neben unserem weltweiten Netzwerk  sind wir inzwischen auch in Mainz gut vernetzt, bspw. mit der Universität, Kunsthalle und Staatstheater. Gerade die Zusammenarbeit mit tanzmainz, dem Tanzensemble des Staatstheaters, ist für unsere Forschung ein Glücksfall.

Sind die dabei entstehenden Daten offen zugänglich?

Zeitgenössischer Tanz ist Teil unseres Kulturlebens und damit auch des kulturellen Erbes. Tanz, wie viele prozesshafte ephemere Kunstformen, hatte schon immer das Problem schwer erfassbar zu sein, weil es eben (meist) keine Objekte hinterlässt. Die Förderungen, die wir bekommen, sollen langfristig helfen, das Wissen, das Können und die Prozesse im Tanz sichtbar, fassbar und weitergebbar zu machen. Und dafür ist es wichtig, dass Daten am Ende auch frei zugänglich sind, damit sich andere Wissenschaftler später auch noch mit den Daten befassen und da weiterarbeiten können, wo wir aufhören.

Was sind die Choreographic Coding Labs?

Die Choreographic Coding Labs sind Teil von unserer Arbeit in der Motion Bank. Bei den Labs geht es darum, dass wir Leuten, die kreativ und künstlerisch mit Programmierung arbeiten, Zugang zu unseren Daten und unserem Wissen geben. Dort kann man sich noch einmal ganz tiefgehend mit unseren Projekten befassen. Es ist also Raum für Experiment und zugleich ein Transferformat.

Was möchten Sie den Studierenden vermitteln?

Mein Ziel ist es die Studierenden in diesem digitalen Fach so weit zu kriegen, dass sie am Ende ihre eigenen Projekte entwerfen können. Dazu gehört logischerweise einmal der ganz technische Teil, es gehört aber auch Erfahrung dazu, die man einfach sammeln muss. Außerdem möchte ich vermitteln, wie man außerhalb von Unterricht und Lehrbuch zu Lösungen kommen kann, die man selber findet.

Ihr Rat für angehende Kommunikationsdesign Studierende?

Erfahrungen sammeln. Ich sehe immer wieder, dass sehr viele Projekte, die entstehen, nicht weiterverfolgt werden. Solche kleinen Chancen zu nutzen, ist aber das Allerwichtigste. Denn Gestaltung lernt man nicht von Büchern oder im Unterricht, Gestaltung lernt man im Grunde nur über das Machen. Und man muss eigentlich so viel machen wie möglich im Studium.

Was macht ein aussagekräftiges Portfolio aus?

Konzeptionelle Stärke, gestalterisches Können und Mut.