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Kommunikationsdesign in Mainz

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Was wir sammeln

Ausstellung noch bis 7. April 2024 im museum angewandte kunst frankfurt

museumangewandtekunst

Von banalen Alltagsgegenständen wie bunten Spülschwämmen, über Bananenaufkleber aus der ganzen Welt, Einwegbesteck und Fahrrädern bis hin zu Leuchtreklamen von bekannten Marken: Mit der Ausstellung Was wir sammeln fragt das Museum Gestalter*innen aus dem Großraum Frankfurt am Main, was und warum sie privat sammeln. Mit dabei die Sammlung Naegele mit einer Sammlung an Schwämmen und Kratzern. 

Die Ausstellung läuft noch bis zum 7. April 2024 im museum angewandte kunst in Frankfurt.

Scratch, Scrub & Scour

Es sind ›putzige‹, meist sehr farbenfrohe Dinge, für wenig Geld erhältlich, die uns die perfekte Sauberkeit versprechen und uns auf den transparenten Umhül­lungen große Versprechungen zuflüstern wie: extra gründlich, mega clean, ultra absorbent, très efficasse, ergonomic, non scratch, antibac und extreme scrub. Wer könnte da widerstehen? 
Ich liebe das banale Alltagsobjekt – das Menschen durchs tägliche Leben begleitet. Meine Sammlung der Schwämme, Kratzer und Reinigungs­tücher hat sich von 1992 bis 2020 langsam, zunächst unbemerkt, aber stetig erweitert und erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Dabei waren die Ge­dichte von Gertrude Stein aus dem Band ›Tender Buttons‹ sicher nicht ohne Einfluss. Ihr widmete ich mein erstes ›Bürstenbuch‹. 
Diese meist autorenlosen Objekte haben gezielte Aufgaben bzw. Funktionen zu erfüllen. Über die Jahre und Jahrzehnte haben sie sich in Form, Funktion und Materialien weiterentwickelt. Im Fall der vorliegenden Sammlung sind es Schwämme, Kratzer, Reinigungstücher sowie einige Bürsten und Staubwedel. Allen gemein ist die rein dienende Funk­tion und die meist absurd kurze Halbwertzeit. Einmal benutzt verlieren diese Objekte – trotz Farbenfreude, Glanz oder besonderer Haptik – im Kampf gegen Schmutz aller Art – rasch ihre Ansehnlichkeit. Die Frage, wie in den verschiedensten Kulturen der Welt die gleiche Funktion, hier: die Beseitigung von Schmutz, eine Antwort im ›anonymen Design‹ eines Alltagsobjekts findet, ist faszinierend. Da ist beispielsweise eine Bürste aus Japan, die an eine Tulpe erinnert. Man fasst sie am Stiel an. Das schafft Distanz zum „Schmutz“, aber eine eigentümliche Botschaft von Nähe oder Glücksversprechen scheint zugleich die Blumenform transportieren zu wollen. Oder es gibt diesen Badezimmerschwamm, in den man unter der Dusche hineinsingen kann. Man bekommt so ein Ding geschenkt und findet es lustig – ein Gedankenobjekt.
Viele der Objekte sehen verführerisch aus. Die möchte man anfassen, berühren oder drücken. Das habe ich in einer Publikation* versucht fotografisch umzusetzen, um das zu dokumentieren und befragbar werden zu lassen. 

*Typologien des Alltags No. 01: Scratch, Scrub & Scour; hrsg. Isabel Naegele, Mainz 2021, www.designlabor-gutenberg.de
Text: Prof. Isabel Naegele

© Isabel Naegele
© Isabel Naegele

Weiterführende Informationen zu Prof. Isabel Naegele:
@isabel_naegele
Personeneintrag Fachrichtung Kommunikationsdesign