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Kommunikationsdesign in Mainz

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Dr. Isabel Naegele

Professorin für Gestaltungsgrundlagen und Typografie

Thomas Piroth

Geboren in Plainfield NJ, USA, studierte sie in ihrem ersten Leben in Humanmedizin an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main und promovierte zu einem Thema der Inneren Medizin. 1990 bis 1992 als Ärztin im Elisabethenstift Darmstadt tätig. Ihre gestalterische Tätigkeit begann 1984 mit grafischen Auftragsarbeiten, u.a. für die eigene und mehrere freie Theatergruppen, das Off-TAT Frankfurt und die Zeitschrift PRINZ. 1989 entwarf sie das grafische Erscheinungsbild für das neueröffnete Frankfurter Künstlerhaus Mousonturm. Eine mehrjährige Zusammenarbeit mit dem internationalen Tanztheater S.O.A.P. dance theatre und Rui Horta für Plakat- und Drucksachengestaltungen wurden mehrfach international ausgezeichnet.

Parallel nahm sie 1992 erneut das Studium der Visuellen Kommunikation an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach auf mit Schwerpunkt Typografie bei Friedrich Friedl. Abschluss als Diplom-Designerin: als Beitrag zur Ausstellung »Mahlzeit« inszenierte und gestaltete sie einen interaktiven Tisch, auf dem durch Projektion und aktive Beteiligung in vielen archetypischen Szenen Leid und Lust aber auch Grausamkeit des Essens erfahren werden konnten. Arbeitsstationen daraufhin bei Intégral Ruedi Baur in Paris, Studio Dumbar, Den Haag und Dozentin an der HGB Leipzig. Mit dem sozialen Ausstellungskonzept »Dialog im Dunkeln« in Hamburg unter anderem in der Betreuung des Corporate Design und eines barrierefreien Orientierungssystems des Dialogmuseum Frankfurt besteht seit dem Jahr 2000 eine intensive Zusammenarbeit. Seit 2016 Leiterin des Instituts Designlabor Gutenberg.

Zahlreiche Forschungs- und Publikationsprojekte zum Thema Typografie (zus. m. Petra Eisele) u.a. in Kooperation mit dem Gutenberg-Museum Mainz, Staatliche Museen Berlin und Institut Neue Technische Form (INTEF). Nach Beschäftigung mit der »Typografie am Bauhaus« zum Nationalen Bauhausjahr 2019 liegt der Focus bei einem Forschungsprojekt zum Thema Typografie & Inklusion: A TOUCH OF TYPE. Seit 2022 intensiv in Lehre und Forschung mit dem Thema Gender im Grafik-Design befasst. Aktuell gemeinsame Projektleitung (m. Petra Eisele) beim 3- jährigen BMBF-Forschungsprojekt »UN/SEEN« im Rahmen der Ausschreibung »Innovative Frauen im Focus«.

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Lehren an der Hochschule in drei Adjektiven

Herausfordernd! Bewegt! Außerdem finde ich, dass es ein großes Glück für uns Lehrende ist, dass wir keinen statischer Beruf haben, sondern es mit jedem neuen Studierenden ein Abenteuer bleibt - im positiven (und negativen) Sinn.

Sie haben in Frankfurt Humanmedizin studiert und auch promoviert - was waren ihre ersten Einflüsse bzw. was war überhaupt die Motivation, sich mit Gestaltung auseinanderzusetzen?

Ich hatte zunächst ein Semester an der HFG in Offenbach parallel Design und Medizin studiert, habe aber damals entschieden ganz in die Medizin zu gehen. Ich wollte damals zum Entwicklungsdienst gehen, das waren die Zeiten mit Startbahn West. Ich war sehr politisch aktiv und dachte mir, Design ist das zu wenig. Inzwischen sehe ich das auch anders. Es war ein großes Glück, dass ich damals in Offenbach Ruedi Baur kennengelernt habe, der Design sehr politisch begriffen hat. Danach habe ich noch einmal Kommunikationsdesign in Offenbach studiert.

Wie läuft ihr Gestaltungsprozess so ab?

Mir ist es sehr wichtig, dass eine konzeptionelle Grundlage vorliegt, dass man eine sehr spezifische Lösung findet. Auf dieser Basis kann dann intuitiv weitergearbeitet werden. Ich versuche für mich eine gute Balance zu finden, sodass jedes Projekt individuell wird. Dieses »Ich kleistere mit meinem Stil über alles drüber« – das bin nicht ich.

Kurz und knapp: Konzept oder Experiment?

Es muss beides haben - aber es beginnt immer mit dem Konzept!

Moholy-Nagy und die Neue Typografie / Moholy-Nagy and the New Typography, 2019

Mit den Jahren kommt bekanntlich auch die Erfahrung - Was würden Sie anders machen, wenn Sie noch mal Berufseinsteiger wären?

Sagen wir so: Einen größeren Umweg kann man wahrscheinlich überhaupt nicht gehen als ich. Ansonsten? Ich würde vielleicht noch früher, noch länger ins Ausland gehen. Ich fand Paris sehr gut, ich fand Holland superspannend, aber ich wäre gerne noch mal länger nach New York gegangen.

Gibt es eine Routine bei Ihren Arbeiten? Irgendwelche Ticks oder komischen Angewohnheiten?

Ich muss die Sachen um mich rum auslegen, ich bin eine passionierte Bodenarbeiterin - zum Leidwesen der Menschen um mich rum. Ich brauche die Sachen nicht nur im Rechner, ich muss sie sehen.

Was würden sie als ihr geheimes Talent bezeichnen?

Einerseits bin ich sehr ungeduldig, aber ich bin auch hartnäckig. Wenn ich mir wirklich was in den Kopf setze, dann weiß ich auch, dass ich das hinbekomme. Manchmal ist ein kleiner Umweg nötig, manchmal 10 Jahre, aber ich kann schon sehr gut an Sachen dran bleiben. Ich bin also eher jemand für die lange Strecke.

Wieso haben Sie sich für ihren mitgebrachten Gegenstand entschieden?

Ich bin ein großer Fan von Bruno Munari, jeder im ersten Semester muss da bei mir durch. Er war ein Tausendsassa und hatte eine sehr spielerische Herangehensweise. Mitgebracht habe ich den Anhang zum italienischen Wörterbuch. Die italienische Gestik aufbereitet als ganz ernst zu nehmendes Wörterbuch. Dieses Augenzwinkern schätze ich an ihm.

Futura. Die Schrift. 2017

Design ist… »das denken sichtbar machen« (Saul Bass).
Designer sind… auch nur ganz normale Menschen.
Kreativität ist… ein großes Glück.
Studierende sind… immer wieder ein Abenteuer.
Kollegen sind… manchmal sehr anstrengend, aber wir haben schon sehr großes Glück hier in Mainz.
Und zum guten Schluss: Form oder Funktion? Beides.

Das Interview wurde am 07.05.2019 von Moritz Müller geführt.

Lehr- und Forschungsprojekte (Auswahl)

Auszeichnungen und Designpreise (Auswahl)

Publikationen (Auswahl)

Konferenzen