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Projekt · Buchgestaltung

Tankstellen Tango

Das Ungewöhnliche liegt oft ganz nah: In ihrer Arbeit »Tankstellen Tango« dokumentiert Franziska Herbert ihre Eindrücke der Tankstelle neben ihrem Haus.

Abstrakte schwarz weiße Druckgrafik mit länglicher Musterung sowie gestischen Verwischungen in vertikaler Richtung

In dem interdisziplinären Projekt Expedition ins Nachbarhaus sollten wir einen Ort, eine Person, oder ein Phänomen wählen und dokumentieren. Da man in Zeiten einer Pandemie unnötiges Reisen vermeiden sollte, beschloss ich, einen Ort ganz in meiner Nähe zu dokumentieren: die Tankstelle, die sich direkt neben meinem Haus befindet. Ich beobachtete nicht weniger spannende Dinge, als es auch Kolumbus und Cook taten. Soziale Strukturen, Flora und Fauna, die Wunder der Technik und das Leben in der Nacht.

Ich fand es spannend, einen Ort neu zu entdecken, welchem ich bis zu diesem Zeitpunkt so wenig Aufmerksamkeit gewidmet habe, obwohl er mir so nahe ist. So fing ich an, mich immer wieder an die Tankstelle zu stellen und zu beobachten. Die meisten Texte entstanden direkt vor Ort. Ich beschrieb, was ich sah. Oft kamen mir weitere, assoziative Gedanken, welche zu neuen Geschichten wurden. Eine Mischung aus Dokumentation und freien Erzählungen.

Ergänzend zu den Texten wollte ich abstrakte Bildwelten schaffen. Als Technik wählte ich die Monotypie. Die schwarze Ölfarbe erinnerte mich an Erdöl und passte zur Ästhetik der Tankstelle. Einige Monotypien fertigte ich durch freies Experimentieren in der Hoch-und Tiefdruckwerkstatt der Hochschule an. Manche entstanden direkt an der Tankstelle. Ich nahm Abdrücke von diversen Dingen und Strukturen, die ich an der Tankstelle fand: Blätter, Bierdeckel, die Bodenstruktur, Staubsaugerschläuche.

Aus den fertigen Texten und Monotypien entstand ein Buch, welches ich selbst in der Buchbindewerkstatt gebunden habe. Es gibt mehrere Exemplare, die alle unterschiedliche Ausschnitte aus den originalen Monotypien als Umschlag haben.

Offenes Buch. Linke Seite schwarz, rechts Titel in unauffälliger Schrift: Tankstellen Tango / 22.04-23.06.2021 / Franziska Herbert.
Offenes Buch, eine Person blättert um. Auf beiden Seiten abstrakte Monotypien.
Offenes Buch. Lnks Fließtext, rechts Monotypie mit dem Abdruck eines Blattes.
Offenes Buch. Links abstrakte Monotypie mit geschwungenen Linien, Rechts Fließtext.
Abstrakte Monotypie. Es ensteht der Eindruck mehrerer Schichten: Ein hellgrauer körniger Hintergrund (wie Beton), darüber zwei horizontale, dunkle Streifen, darüber vier gleichmäßige vertikale Streifen. Darüber eine malerische Geste in tiefschwarz und weiß.
Abstrakte Monotypie. Weißer Hintergrund, darüber organische Strukturen in transarentem grau: Blätter und Insektenflügel.

Seit diesem Projekt sehe ich die Tankstelle mit neuen Augen. Es braucht nicht immer außergewöhnliche Orte, um Außergewöhnliches zu erleben.