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Kommunikationsdesign

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Evelyn Dragan, Frankfurt

Petra Eisele ist Professorin für Designgeschichte und -theorie an der Hochschule Mainz. Als Designforscherin beschäftigt sie sich in zahlreichen Publikationen, Ausstellungen und Vorträgen sowie verschiedenen Forschungsprojekten mit theoretischen und historischen Perspektiven des Designs.

Bereits während ihres Kunstgeschichtsstudiums startete sie zusammen mit Kommilitoninnen ein vierjähriges Forschungsprojekt zur medialen Rezeption des Bauhauses und war Mitglied eines interdisziplinären Projektteams am Bauhaus Dessau. In ihrer Magisterarbeit über Bauhaus-Rezeption im postmodernen Design sowie ihrer Promotion an der Berliner Universität der Künste über die Designentwicklung seit den sechziger Jahren vertiefte sie grundlegende Fragen der Designforschung. Es folgten verschiedene Forschungsaufenthalte, u.a. in den Archives of American Art in Washington D.C., sowie eine mehrjährige Tätigkeit als Wissenschaftliche Mitarbeiterin für Geschichte und Theorie des Designs an der Bauhaus Universität Weimar. Seit 2006 lehrt sie an der Hochschule Mainz in der Fachrichtung Kommunikationsdesign.

A-Z – Publikation, 2019

Würden Sie sich eher als Designhistorikerin oder als Designforscherin bezeichnen? Wie beschreiben Sie Ihr Berufsfeld?

Als Designforscherin, da ich mich einerseits auf Designtheorie, aber auch auf Designgeschichte und das Erforschen von Denkansätzen aus der Vergangenheit beziehe

Welche Themenbereiche umfasst Design für Sie?

Die Themenbereiche umfassen das Spannungsfeld zwischen der Ästhetik, dem herstellungstechnischen Bereich und dem wirtschaftlichen Bereich.

Wie grenzt sich Design zu Kunst oder Handwerk ab?

Das Interessante, was Design ausmacht und von der Kunst abgrenzt, ist das zutiefst Anwendungsorientierte. Es geht in erster Linie nicht um eine künstlerische, individuelle Selbstverwirklichung, sondern um die gesellschaftliche Relevanz dessen, was gestaltet wird. Design beschäftigt sich mit Alltag und mit „Heute“. Somit hat es auch sehr viel mit sozialen Aspekten zu tun, mit gemeinschaftlichen Aufgaben einer Gesellschaft und mit politischer Verantwortung. Die letzten Jahre ist ein leises Aufbegehren zu verspüren; Studierende werden kritischer und unsere Gesellschaft wendet sich dem Sozialen, dem Ökologischen, dem Gemeinschaftlichen stärker zu, was auch einen Effekt auf das Design hat. Der Einfluss von Design auf unsere Gesellschaft wird oft unterschätzt. Man muss diese Einflussnahme erstmal erkennen und dann positiv einsetzen.

Der Einfluss von Design auf unsere Gesellschaft wird unterschätzt.

Was ist ihr Ausblick, welche Rolle spielt Design in der Zukunft?

Design wird nach wie vor eine große Rolle spielen. Vor allem in unserer turbokapitalistischen Gesellschaft, in der es darum geht, immer stärker zu verwerten und Marken und große Konzerne zu stabilisieren. In den letzten zwanzig Jahren hat Design in der Gesellschaft aber auch eine subversive Kraft entwickelt: Das Bedienen von Bedürfnissen, die angeblich da sind, sowie der Widerstand dagegen. Wichtig ist zu wissen, dass es diese beiden Pole gibt und dass man sich immer wieder entscheiden kann, mehr in die eine oder andere Richtung zu gehen.

Futura. Die Schrift, 2016

Was waren die größten Meilensteine?

Das Forschungsprojekt zum Thema Bauhaus-Rezeption, das ich mit sechs Kommilitoninnen im Studium initiierte, war ein Schlüsselerlebnis. Dort habe ich gemerkt, wie vielfältig man ein Thema im Team beleuchten und sich intellektuell weiterbringen kann.

Sie haben verschiedene Arbeitsbereiche: Sie lehren an der Hochschule, Sie publizieren, Sie halten Vorträge… Welcher Teil Ihrer Arbeit bereichert Sie am meisten?

Es ist die Kombination zwischen Zusammenarbeit mit den Studierenden, Forschungsprojekten, Publikation und die Interaktion mit der Öffentlichkeit durch Ausstellungen. Das Arbeiten an der Hochschule finde ich das Interessanteste, weil man die Möglichkeit hat, die Forschungsgebiete selbst zu definieren und die Projekte teilweise zusammen mit Studierenden verfolgen kann.

Welche ihrer Arbeiten gefällt Ihnen immer wieder aufs Neue?

Das „Futura“-Buch ist besonders schön geworden, und wir sind stolz, dass es auch ins Englische übersetzt wurde. Auch „Texte zur Typografie“ gehört dazu. Bei „Klassiker des Produktdesign“ freut es mich, dass sogar Kollegen in Hongkong das Buch als Grundlage für Seminare nutzen und es sich inzwischen auch in Deutschland verbreitet hat.

Können Sie die Lehre an der Hochschule Mainz in drei Adjektiven beschreiben?

(überlegt) Fundiert, zukunftsweisend und persönlich.

Welcher Rat war hilfreich?

(lacht): Es gibt kein Buch ohne Fehler.

Jetzt wären wir zum persönlichen Gegenstand gekommen.

Ich habe ein weißes DIN A4 Papier mitgebracht und finde, dass das ein toller Gegenstand ist, weil es viel mit dem Thema Design, Normung und System zu tun hat. Es fixiert aber auch Gedanken in Sprache und kann einen Diskurs beginnen.

Klassiker des Produktdesign, 2014

Design ist...

Alles.

Designer sind…

Kreativ. Kreativität ist Inspiration und Konzentration.

Studierende sind…

Sympathisch.

Kollegen sind…

Auch sympathisch. (lacht)

Das Interview wurde am 29.04.2019 von Beate Hartwig und Aline Heß geführt.